Welche Rechtsform?

Bei der Gewerbeanmeldung gibt es viel zu beachten. Die wohl wichtigste Frage, die sich jedem neuen Gewerbetreibenden stellt, ist die nach der richtigen Rechtsform. Die Frage ist deshalb so entscheidend, weil die gewählte Rechtsform die juristischen Rahmenbedingungen des zukünftigen Unternehmens definiert. Diese Rahmenbedingungen sind je nach Wahl der Rechtsform entweder gesetzlich vorgegeben oder sie werden in einem Gesellschaftsvertrag festgelegt.

Die Rechtsform für ein Gewerbe sollte mit bedacht gewählt werden, da sie unter anderem Auswirkung auf die Haftungsfragen der Gesellschafter sowie deren Recht zur Geschäftsführung hat. Darüber hinaus wird durch die Rechtsform festgelegt, ob das Unternehmen eine eigene Rechtspersönlichkeit wird (sogenannte Kapitalgesellschaften wie Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) oder Aktiengesellschaften (AG)) oder es sich bei den Gesellschaftern um natürliche Personen handelt (sogenannte Personengesellschaften).

Je nachdem für welche Rechtsform man sich entscheidet, gibt es unterschiedliche Anforderungen an Kapital, Errichtung, Anzahl und Verpflichtung der Gesellschafter, Betrieb, Geschäftsführungsbefugnisse, Publizitätspflichten und Liquidation. Kapitalgesellschaften benötigen beispielsweise ein gesetzlich vorgeschriebenes Stammkapital bzw. Grundkapital.

Unternehmergesellschaft (UG, auch Mini-GmbH genannt): 1 Euro.
GmbH: 25.000 Euro Stammkapital.
Aktiengesellschaft: 50.000 Euro Grundkapital.

Personengesellschaften wie Einzelunternehmen, Gesellschaften bürgerlichen Rechts oder Partnerschaftsgesellschaften, benötigen dagegen kein Stammkapital bzw. Grundkapital für ihre Gründung.

Haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaften, Gesellschaften mit beschränkten Haftung und Aktiengesellschaften benötigen zu ihrer Errichtung Gesellschafterverträge und Satzungen (bei Aktiengesellschaften), die vom Notar beglaubigt werden müssen. Darüber hinaus müssen sie in das Handelsregister eingetragen werden, unterliegen der jährlichen Offenlegungspflicht und den besonderen Anforderungen im Falle einer Liquidation. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Aufwand zur Gründung einer GmbH mittel bis hoch und der einer Aktiengesellschaft hoch bis sehr hoch einzuschätzen ist. Die Gründung von Kapitalgesellschaften kann mitunter einige Monate dauern.

Da Kapitalgesellschaften eine eigene juristische Persönlichkeit sind, ist die Haftung dieser Gesellschaften auf die jeweiligen Einlagen der Gesellschaft beschränkt. Das gilt auch im Falle einer Insolvenz. GmbHs, Aktengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien unterliegen immer der Gewerbesteuer. Natürliche Personen und Personengesellschaften hingegen haben einen Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro.

Aufgrund der hohen Anforderungen an das Grundkapital sowie der teilweise sehr detaillierten gesetzlichen Vorschriften, ist der Grad der Transparenz einer Aktiengesellschaft sehr hoch. Sie gilt national und international als professionell und seriös, was sich sich beispielsweise auch bei der Vergabe von Krediten zeigt. GmbHs dagegen sind vor allem in Deutschland die bekannteste und beliebteste Form der Kapitalgesellschaften. Sie gilt auch in Bankkreisen als seriös und kreditwürdig. Das Stammkapital der GmbH kann auch über Sacheinlagen wie beispielsweise Maschinen erbracht werden. Besonders für Familienbetriebe ist eine GmbH interessant, da diese Rechtsform die Gründung eines Beirates zulässt.

Haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaften erfreuen sich seit ihrer Einführung immer größerer Beliebtheit. Der Gründungsaufwand ist verhältnismäßig gering und das Mindeststammkapital von einem Euro schnell aufzubringen. Sie genießt die gleichen Rechte wie eine GmbH. Allerdings müssen die Gesellschafter einer UG (haftungsbeschränkt) jedes Jahr 25 Prozent des Jahresüberschusses als Stammkapital einzahlen, bis ein Stammkapital von 25.000 Euro erreicht wird. Anschließend lässt sich eine Unternehmergesellschaft ohne Probleme in eine GmbH umwandeln.

Personengesellschaften wie Einzelunternehmer (nur ein Gesellschafter), Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR; zwei oder mehr Gesellschafter) oder Partnergesellschaften (ähnlich der GbR, aber getrennte Haftung jedes einzelnen Gesellschafters) bedürfen keiner formalen Gründung. Eine mündliche Absprache reicht bereits aus. Allerdings sollte im Sinne der Rechtssicherheit bei Offenen Handelsgesellschaften, GbR und Partnergesellschaften in einem Gesellschaftervertrag die Rechte und Pflichten der Gesellschafter fixiert werden, um gegebenenfalls vor Gericht entsprechende Ansprüche durchsetzen zu können. Die Gesellschafter einer Personengesellschaft haften grundsätzlich auch mit ihren privaten Vermögen für die Verbindlichkeiten ihrer Gesellschaft.

Personengesellschaften lassen sich ohne weiteres in andere Personen- oder Kapitalgesellschaften umwandeln, sobald die Voraussetzungen für die jeweiligen Rechtsformen gegeben sind. Personengesellschaften lassen sich auch ohne Probleme auflösen. Die Abmeldung beim Finanzamt und gegebenenfalls eine Gewerbeabmeldung reichen in der Regel aus. Eine Umwandlung einer Kapitalgesellschaft in eine andere Kapital- oder gar Personengesellschaft ist nicht ohne weiteres möglich (Ausnahme: UG (haftungsbeschränkt) in eine GmbH) und ggf. mit hohem Aufwand und Kosten verbunden.

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